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Erftkreis – Schlösser in Hülle und Fülle9 Minuten Lesezeit

Schlösser und Burgen im Erftkreis

Ihr glaubt gar nicht, wie viele tolle Schlösser es im Erftkreis im Umkreis von ca. 50 Kilometern rund um Köln gibt. Da sind echte Schätzchen dabei.

Ich weiß, dass es etliche kleine Wasserschlösschen und sonstige Prachtbauten im Ruhrgebiet gibt. Aber zum Schloss Strünkede in Herne sind’s dann doch gut 1 Stunde zu fahren. Knapp 100 Kilometer von meinem Startpunkt im Kölner Umland.

Dabei gibt’s doch echt viele Schmuckstückchen entlang der Erft. Und die sind doch gerade mal eine halbe Stunde Fahrtzeit entfernt.

Gut…manche Schlösser beherbergen Museen, manche sind zu Wohnungen ausgebaut und ganz viele werden einfach noch bewohnt. Jetzt zu Zeiten von Corona steht mir aber eh nicht der Sinn danach, mir ein Schloss von innen anzuschauen.

Ich habe mich jetzt für 5 Schlösser und eine Ruine im Erftkreis entschieden. Und war trotzdem fast einen ganzen Tag unterwegs. Auf meiner Liste standen die folgenden Schlösser:

  • Wasserschloss Gracht
  • Schloss Gymnich
  • Schloss Türnich
  • Burgruine Alt-Kaster
  • Schloss Bedburg
  • Schloss Paffendorf

Und weil ich Schloss Gymnich gar nicht gesehen habe, gibt’s dann noch Schloss Augustusburg in Brühl und zu Guter Letzt sogar noch ein kleines Rittergut.

Erftkreis – Wasserschloss Gracht

Das Schloss ist ein Träumchen! Wenn man sich das genau anschaut, sind es eigentlich zwei Schlösser. Aus zwei unterschiedlichen Epochen. Der alte Teil ist aus dem Jahr 1689 und der neue Teil ist locker 150 Jahre jünger.

Es gibt einen Parkplatz, aber der ist wohl meistens voll. Ihr müsst dann schauen, wo Ihr Euer Auto abstellt. Wenn Ihr dann die Straße in Richtung Schloss lauft, steht Ihr erstmal vor einem Holztor. Rein geht’s nicht.

Links herum geht’s dann in Richtung Schlosspark. Der ist nämlich öffentlich zugänglich. Und nach den ersten Schritten traut Ihr Euren Augen kaum. Dieses Schloss ist der Wahnsinn. Total schön und wirklich gut gepflegt. Das schaut kaum alt aus.

Laut meiner Recherche im Internet ist der „neuere“ Teil das Herrenhaus. Jetzt schaut Euch das bitte mal an! Herrenhaus??? Ernsthaft?

Ihr könnt einmal um die…nennen wir es mal Schlossanlage herumlaufen. Hinein dürft Ihr nicht. Es sei denn, Ihr seid einigermaßen finanzstark und lasst Euch aufnehmen. Ihr versteht…oder?


Fotos vom Wasserschloss Gracht im Erftkreis

Aus dem ehemaligen Gästehaus wird ein Luxushotel

Ihr habt bestimmt schon mal von Schloss Gymnich gehört? Fans der Kelly Family kennen das Schloss bestimmt. Die haben da nämlich mal gewohnt. Und davor war es viele Jahre das Gästehaus der Bundesregierung.

Tja…und jetzt? Keine Ahnung…man kommt nicht hin und es ist auch von der Straße nicht einsehbar. Es gibt wohl einen neuen Eigentümer und der bleibt lieber für sich. Schade, ich hätte gerne mal einen Blick drauf geworfen.

Nach ein wenig Recherche habe ich im Kölner Stadt-Anzeiger einen Artikel gefunden, in dem steht, dass der jetztige Eigentümer das Schloss zu einem Luxushotel umbaut. 35 Suiten sollen es werden und Eröffnung irgendwann in 2021. Na, mal abwarten…dann schaue ich mir das Schloss eben im nächsten Jahr mal an.

Schloss Türnich im Erftkreis

Weiter geht’s nach Türnich. Parkplätze gibt es irgendwie nicht. Das Navi ist auch irritiert. Schickt uns nach links, dabei ist da nur ein Waldweg und ein Törchen.

Also Auto irgendwo an der Straße abstellen und wir nähern uns diesem Waldweg eben zu Fuß. Ihr geht durch dieses Tor (geht wirklich direkt von der Hauptstraße ab) und steht auf einer (in einer???) grünen Allee.

Mein Hirn hat mir ein grünes Kirchenschiff vorgegaukelt. Aber es schaut wirklich so aus: irre hohe, sehr grüne Bäume.

Beim nächsten Punkt braucht Euer Hirn wirklich sehr viel Phantasie. Ihr seht jede Menge kleine Pflänzchen, mehr oder weniger willkürlich angeordnet. Falls Ihr Euch fragt, was das ist…das Hinweisschild gibt die Erklärung: ein Labyrinth. Also soll es mal werden, wenn es groß ist. Dauert aber noch ein paar Jahre.

Ihr lauft den Waldweg weiter, um die nächste Kurve (nach rechts), dann glaube ich wieder links und irgendwann kommt ein weißes Torhäuschen. Und da seht Ihr dann auch schon Schloss Türnich.

Es gibt ein Café, das aber dank Corona aktuell nur am Wochenende und an Feiertagen geöffnet hat. Und wir waren an einem Mittwoch unterwegs.

Das Schloss…nun ja…es ist recht klein. Ein größeres Herrenhaus. Aber schön anzuschauen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es bewohnt ist. Es sah ein wenig verlassen aus. Aber das Licht neben der Eingangstür brannte. Mittags…im Sommer…hat wohl irgendwer vergessen.

Auch hier hat die Recherche im Netz ergeben, dass das Schloss für Veranstaltungen vermietet wird.


Erftkreis – Burgruine in Alt-Kaster

Von Türnich ging es dann weiter nach Alt-Kaster. Dieser Mini-Ortskern ist uralt, super gut erhalten und ganz schön anzuschauen.

Also, wir waren jetzt an einem Mittwoch gegen Mittag bei etwa 30 Grad dort. Und es war schön leer. An einem Wochenende ist es voller. Dann kann ich mir vorstellen, macht es weder Spaß für die Anwohner noch für die Besucher. Und mit Corona auch eher grenzwertig.

Falls der kleine oder große Hunger kommen solltet, könnt Ihr im Landgasthaus Danielshof sehr lecker und idyllisch essen.

Übrigens müsst Ihr auf dem großen Parkplatz vor der Altstadt parken. Ihr könnt NICHT mit dem Auto weiterfahren. Von dem Parkplatz sind es aber nur ein paar Meter zu Fuß zum Restaurant.

Ihr könnt dann dort draußen auf der Terrasse sitzen und habt einen ganz tollen Blick in den schönen gepflegten Garten. Der gehört zum angeschlossenen Hotel. Und dort könnt Ihr extrem gut chillen…wenigstens habe ich das den Leuten angesehen, die dort in Hängematten und Liegestühlen verteilt rumlagen.

Wir sind dann nach dem Essen einmal durch das Restaurant gegangen – schaut auch von innen sehr gemütlich aus – und vorne wieder raus. Da steht Ihr dann in einem großen Innenhof, in dem Ihr auch draußen sitzen könnt.

Und ein paar Schritte weiter steht Ihr dann schon mitten im historischen Ortskern von Alt-Kaster. Also der Ort ist mini, aber unser Ziel war ja die Burgruine.

Nun ja, ein wenig Phantasie braucht es schon, aus diesen paar Steinen eine Burg zu erkennen. Gut, dass ein Hinweisschild vorhanden ist. ICH hätte den Steinhaufen nicht als Burgruine identifiziert. Was aber auch kein Wunder ist, weil die Ruine seit 16…irgendwas verfällt.

Wirklich gut erhalten sind aber Stadtmauer und der gesamte mittelalterliche Ortskern. Stadtmauer und Burg waren früher (ganz früher) mal miteinander verbunden.

Also, Alt-Kaster müsst Ihr Euch einfach anschauen. Ihr fühlt Euch direkt in Mittelalter zurückversetzt.


Alt-Kaster mit Burgruine

Schloss Bedburg – Büro- und Wohnschloss im Erftkreis

Nach dem Essen ging es dann weiter in Richtung Bedburg. Hier gibt es Parkplätze am Schloss, aber so richtig viel macht das Schloss selbst nicht her.

Es erinnert mich mehr an eine Burg als an ein Schloss. Was ja mal nichts Schlechtes heißt. Aber das alte Gemäuer steht halt so unschön. Kein schöner Schlosspark drumherum, kein Wasser weit und breit. Dafür dann jede Menge Klingeln und Briefkästen.

Schloss Bedurg ist bewohnt…Wohnungen und Büros. Daher gab es hier für uns auch nichts weiter zu gucken. Also weiter…der nächste Punkt auf der Liste ist…

Schloss Paffendorf im Erftkreis

Ach…ich sage immer Pfaffendorf. Stimmt aber nicht. Paffendorf ist korrekt.

Ihr habt doch bestimmt schon mal vom Kohleabbau in NRW gehört. Jaaa…Kohle ist böse, aber wir wissen ja eigentlich schon, dass der Strom nicht einfach so aus der Steckdose kommt.

Und in NRW, gerade in dieser Ecke gibt es ziemlich viel Braunkohle und die wird aktuell noch abgebaut. Für diese riesigen Tagebau-Felder müssen ganze Ortschaften weichen und die Anwohner werden abgefunden und umgesiedelt.

Der Tagebau hat selbst vor Schloss Paffendorf nicht Halt gemacht. Schon 1958 fielen die Ländereien des Schlosses dem Kohleabbau „zum Opfer“. Zu dem Zeitpunkt wurde das Schloss dann an RWE verkauft. Heute könnt Ihr Euch in einer Dauerausstellung im Schloss über den Kohleabbau in der Region informieren.

Weiter besichtigen könnt Ihr das Schloss nicht. Es gibt wohl Seminar-Räume, die man für Veranstaltungen mieten kann, aber als normaler Besucher könnt Ihr Euch das Schloss nur von außen ansehen. Und durch den schönen Schlosspark schlendern.

Das war jetzt mein Tagesausflug zu den Schlössern (und Burgen) im Erftkreis. Es gibt aber noch einige Schätzchen mehr, die sich auch durchaus mal lohnen. Da hätte ich zum Beispiel das Rittergut Orr.


Schloss Paffendorf und Schlosspark im Erftkreis
Schloss Paffendorf mit Schlosspark

Erftkreis – Rittergut Orr in Pulheim

Ich kenne dieses Rittergut eigentlich nur als „Haus Orr“. Eine verfallene Ruine in einem total wild zugewachsenen Park. In dem verfallenen Herrenhaus wuchsen Bäume. Innen…drin.

Dieses Haus hat mich fasziniert. Ich musste dort immer vorbeifahren, auch wenn es ein Umweg war. Und immer wollte ich mal eine Bilderserie machen. Haus Orr in den Jahrenzeiten. Ich wollte…habe aber nie.

Jetzt wohne ich ja schon ein paar Jahre nicht mehr in Pulheim. Und was ist passiert? Irgendwer hat sich tatsächlich Haus Orr angenommen und nach ein paar Jahren ist aus der verfallenen Ruine wieder ein schmuckes Herrenhaus geworden. Sogar ein Rittergut. Ein kleines feines.

Warum es aber ein Rittergut ist, habe ich nicht herausfinden können. Das Herrenhaus wurde 1838 von einem Kölner Bankier erbaut. Wo da jetzt die Ritter ins Spiel kommen, kann mir auch Wikipedia nicht sagen. Aber vielleicht wisst Ihr da was?

Heute werden dort Konzerte veranstaltet oder Ihr könnt es für Hochzeiten oder sonstiges mieten. Und auch, wenn es jetzt wirklich schön ausschaut, hat es für micht doch ein bisschen an Faszination verloren. Obwohl…

Schade, dass ich damals keine Fotos gemacht habe, als der Wildwuchs noch vorherrschend war. So kann ich Euch jetzt keine Vorher/Nachher-Fotos zeigen. Aber heute schaut’s wirklich schön aus…


Herrenhaus Rittergut Orr in Pulheim, Erftkreis
Rittergut Orr in Pulheim

Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl

Kennt Ihr die Schlösser in Brühl: Augustusburg und das kleine Jagdschlösschen Falkenlust? Augustusburg wurde ab 1725 auf den Ruinen einer mittelalterlichen Wasserburg gebaut und heute gehören Augustusburg, Falkenlust und der Schlosspark zum UNESCO Weltkulturerbe. Und das schon seit 1984.

Ein Wasserschloss ist es heute nicht mehr, einen Wassergraben drum herum gibt es also nicht mehr, aber ein Schloss ohne Wasser ist ja kein richtiges Schloss.

Und bis jetzt habe ich immer geglaubt, dass diese verspielten Schlösser einfach nur in Bayern stehen müssen. Aber weit gefehlt: Augustusburg und Falkenlust sind wirkliche Rokoko-Schätzchen. Ist dieser Zuckerbäcker-Stil also doch nicht nur in Bayern zu finden, sondern auch im Erftkreis.

Aber ganz so weit weg ist Bayern nicht. Natürlich nicht in Sachen Entfernung. Da sind es schon gute 600 Kilometer bis München. Aber der „Besitzer“ von Augustusburg und Falkenlust war ein Wittelsbacher: Clemens August, Kurfürst und Erzbischof aus Köln.

Die Wittelsbacher…das Adelsgeschlecht rund um den Bayern-König Ludwig II. Ihr wisst schon, der, den die Bayern so verehren. Der mit Neuschwanstein und von wem keiner so wirklich weiß, ob er wirklich im Starnberger See ertrunken ist.


Ansicht von Schloss Augustusburg in Brühl, Erftkreis
prunkvolles Rokoko-Schloss Augustusburg

Jagdschlösschen Falkenlust – Lustschlösschen der High Society

Schloss Falkenlust ist nur einen kurzen Spaziergang von Schloss Augustusburg entfernt. Also es wäre nur einen kurzen Spaziergang entfernt, wenn der Schlosspark aktuell passierbar wäre. Ist er aber nicht. Gesperrt wegen herabfallender Äste. Ihr könnt in das Gartenparterre, aber nicht in den Park.

Wenn Ihr also jetzt auch noch Schloss Falkenlust anschauen möchtet, dann ist der Weg zu Fuss ein wenig weiter, weil Ihr außen um den Schlosspark herum laufen müsst. Mit dem Auto braucht Ihr etwa 10 Minuten, sagt der Routenplaner.

Falkenlust ähnelt eher einem kleinen Rokoko-Lustschlösschen und war es irgendwie auch. Wie der Name schon sagt, hatte Clemens August Spaß an der Falkenjagd. Der Standort des Schlösschens war wohl gewählt, weil es genau in der Flugbahn der Reiher, erklärte Lieblingsbeute der Falken, liegt. 

Nach der Jagd versammelte sich dann die ganze Jagdgesellschaft im Schloss und haben es sich gut gehen lassen.


Schlosspark von Schloss Augustusburg in Brühl
Schlosspark von Schloss Augustusburg

Infos zu den Schlössern Augustusburg und Falkenlust

Öffnungszeiten (gelten für beide Schlösser):

Montags geschlossen. Dienstag – Freitag 09:00 – 16:00 Uhr | Samstag, Sonntag und Feiertag 10:00 – 17:00 Uhr | Dezember und Januar geschlossen.

Besichtigen ist möglich, aber es werden keine Führungen angeboten. Eintritt: 4,50 Euro für Augustusburg und 3,50 Euro für Falkenlust (aktuell vergünstigt wegen Corona).

Parken könnt Ihr an Schloss Augustusburg ganz bequem auf dem großen Parkplatz. Ihr gebt dann ins Navi einfach „Max-Ernst-Allee, Brühl“ ein. Kostet ganz kleines Geld: 1. + 2. Stunde kostet 0,50 Euro, jede weitere Stunde kostet dann 1,00 Euro. Bezahlbar. Und Ihr seid direkt am Schloss.

Führungen gibt es ja aktuell keine, aber wenn Ihr das Schloss besichtigen möchtet, dann müsst Ihr Euch vorher telefonisch anmelden. Am besten schaut Ihr vorher mal kurz auf der Webseite der Schlösser. Dort steht dann auch die Telefonnummer. Vor Ort gelten dann in den Innenräumen die bekannten AHA-Regeln.

 

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