Europa

Meine persönlichen Highlights in Lissabon4 Minuten Lesezeit

Ich gebe es zu, ich war bei meinem ersten Besuch in Lissabon ein bißchen schockverliebt. Diese Stadt mit ihrem morbiden Charme – ein Haus prachtvoll, das Nachbarhaus fällt fast zusammen – hat einfach was. Aber woran liegt das…an der Nähe zum Wasser? Ganz ehrlich, der Tejo ist auch nur ein Fluss. Zwar ganz schön breit, aber eben doch nur ein Fluss…

Lissabon – ein Mix aus alt und neu

Wahrscheinlich ist es die Mischung aus Alt und Neu, aus fröhlich und traurig, die Lissabon so spannend macht. Da dachte ich mir, ich schreibe einfach mal ein paar Dinge zusammen, die mir persönlich so gut gefallen.

Natürlich bin auch ich der alten Straßenbahn verfallen. Die Linie 28E (und das E steht für elétrico) ist perfekt geeignet für eine ganz besondere Stadtrundfahrt. Voraussetzung ist allerdings, dass man einen Platz findet. Sonst macht das Ganze nicht ganz so viel Spaß. Denn es ist eine ganz schön ruckelige Angelegenheit. Da ist’s nicht mit schön gefedert, sondern ohne irgendwelche Federung schaukelt die Bahn über die Schienen. Und wenn dann mal ein Auto im Weg steht, muss die Bahn leider warten. Das kann dann auch zur Geduldsprobe werden. Da wäre es dann schon bequemer, wenn man sitz. Ist auch ungefährlicher, weil die Bremsen in dem Gefährt doch erstaunlich gut funktioneren.

Und mit der Tram Linie 28E kommen wir dann schon zu einem weiteren Punkt:

Lissabon ist ja auf 7 Hügeln erbaut worden, das bedeutet jede Menge Auf- und Abstiege. Mir kam es so vor, als wäre ich häufiger bergauf gelaufen statt wieder runter. Egal…wenn man dann oben angekommen ist, bietet sich so gut wie immer eine ganz tolle Aussicht auf Lissabon. Und diese Orte heißen Miradoures (Aussichtspunkte). Einer der bekanntesten liegt in der Alfama, auf einem Teil der uralten Stadtmauer. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick über die Stadt bis hin zum Tejo.

Oberstadt vs. Unterstadt

Oben ist auch wieder ein gutes Stichwort für einen weiteren Ort, den ich in Lissabon liebe: den Stadtteil Chiado.

Bei meinem ersten Besuch in Lissabon in 2014 hatte ich mir ein Zimmer in einem Hotel im Chiado gebucht. Damals wusste ich noch gar nicht, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Es hat sich herausgestellt, dass ich mein Hotel kaum besser wählen konnte. Ruhig gelegen, aber trotzdem mitten drin. Direkt am Largo do Carmo, einem der schönsten Plätze (finde ich). Früher trafen sich im Chiado die Dichter und Denker, Künstler und Literaten. Heute ist es irgendwie auch noch so, obwohl es mittlerweile auch ein elegantes Einkaufsviertel ist. Aber trotzdem immer noch alles sehr gediegen und gar nicht laut.

Dem gegenüber – oder besser gesagt: unten drunter – liegt der Stadtteil Baixa. Während Chiado die Oberstadt ist, wird Baixa als Unterstadt bezeichnet. Das hat jetzt aber gar nichts mit der Bevölkerung zu tun. Baixa ist DAS Stadtzentrum von Lissabon. Hier sind die Straßen breiter und die Plätze größer und repräsentativer. HIER ist das Leben.

Bei meinem zweiten Besuch in Lissabon ein Jahr später in 2015 hab ich dann ein Hotel in der Baixa gebucht. Mitten drin im Leben. War auch nicht schlecht, aber ich muss gestehen, bei meinem nächsten Besuch, buche ich wieder „oben“.

Aufzüge in Lissabon

Das Thema Ober- und Unterstadt bringt mich zu meinem nächsten Highlight. Diesmal ist es kein Ort, sondern ein „Ding“. Ich habe ja eben schon geschrieben, dass es in Lissabon einige Höhenmeter zu überwinden gibt. Und um das zu erleichtern, wurden die Ascensores, die Aufzüge erfunden. In Lissabon gibt es vier davon. Der Markanteste ist der Elevador de Santa Justa mit seinem schmiedeeisernen Gerüst aus dem Jahr 1902. Man steigt unten in der Rua do Ouro ein und fährt hoch ins Chiado. Dort gibt es dann einen Übergang zum Largo do Carmo. Eine Etage höher (erreichbar mit einer schmalen Wendeltreppe) befindet sich dann eine Aussichtsplattform mit einer tollen Rundum-Sicht über Lissabon und den Tejo.

Die anderen Aufzüge sind eher Standseilbahnen, die jeweils auf einer steilen Straße hochgezogen werden: Ascensor do Lavra aus dem Jahr 1884, Ascensor da Bica aus 1892 und Ascensor da Glória aus 1885. Letzterer startet unten an der Praca dos Restauradores und fährt hoch bis zum Miradouro Sao Pedro de Alcântara, wieder mal einem wunderschönen Aussichtspunkt.

Ich bin bei meinem letzten Besuch mit dem Ascensor da Glória gefahren und das war schon ein Erlebnis der besonderen Art. Diese Kabine bleibt absolut waagerecht, obwohl die Steigung der Straße nicht ohne ist.

Street Art in Lissabon

Ein weiteres besonderes Erlebnis ist auch eine Street Art Tour. Jedem, der sich für diese bunten Bilder an Fassaden und anderen Orten interessiert, kann ich eine solche Tour nur empfehlen. Streetart liebt Lissabon. Hier sieht man diese Kunstwerke nicht als Schmierereien und durch die Legalisierung dieser Graffities werden unschöne Verschandelungen unterbunden. Ich habe eine Tour mitgemacht und ich habe viele interessante Werke gesehen. Ich bin jetzt kein Fachmann in Sachen Graffity (ich mag sie einfach nur), aber mir wurde gesagt, dass sich in Lissabon auch schon weltbekannte Sprayer „verewigt“ haben.

Besondere Stimmung in Belém

Belém…da kann man sogar mit der Straßenbahn hinfahren. Belém liegt am Wasser und man riecht schon die salzige Seeluft. Ich war so beeindruckt von dem Torre de Belém und dem Mosteiro dos Jerónimos, ich wollte da gar nicht wieder weg.

Der Turm ist ja mittlerweile das Wahrzeichen von Lissabon. Früher stand er auf einer Insel, mittlerweile ist er aber zum Glück mit einer Brücke erreichbar. Um auf die Aussichtsplattform in 35 m Höhe zu gelangen, muss man die Wendeltreppe im Inneren hochsteigen. Und das ist wirklich ein Erlebnis…es gibt nur diese eine Treppe für rauf UND runter. Daher wird der Auf- und Abstieg durch ein Ampelsystem geregelt. Wenn aber jemand das System nicht durchschaut hat oder noch mal schnell hinterher rennt, dann kann es schon mal sein, dass einem jemand auf der engen Treppe entgegenkommt. Dann wird’s echt eng. Aber durch diese Unterbrechungen kommt einem der Weg nach oben nicht ganz so lang vor.

 

Dann ist da noch das Kloster dos Jerónimos. Ich kann das gar nicht beschreiben…es hatte etwas dermaßen Beruhigendes, dass ich mich dort gefühlte Ewigkeiten aufgehalten habe.

Ein kleiner Tipp: ich habe mir die Lisboa-Card gegönnt, mit der ich dann freien Eintritt in den Torre de Belém und in das Kloster hatte. Und wenn man sich vor Besuch des Torre de Belém die Karten bereits im Kloster abholt, dann kann man an den extrem langen Warteschlangen vor der Kasse des Turms einfach vorbeilaufen.

Zu Guter Letzt hätten wir da noch die besondere Stimmung in Lissabon. Es heißt nicht umsonst, Lissabon wäre die Stadt des Lichts. Durch die unzähligen Kacheln, Azulejos, bricht sich das Licht und zaubert diese besondere Stimmung.

Aber wenn wir dann schon beim Thema Gefühl sind, dann darf natürlich auch das portugiesische Lebensgefühl nicht fehlen: Saudade. Man kann dieses Wort nicht wirklich übersetzen, aber es bedeutet soviel wie Sehnsucht, Melancholie, Schmerz, Nostalgie, Wehmut. Und was wäre Lissabon ohne Fado. Diese Art des Gesangs ist so typisch für Portugal und damit auch für Lissabon. In den Liedern geht es um all das, was Saudade bedeutet.

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