Unterwegs

Speicherstadt, Hafencity und Elbphilharmonie7 Minuten Lesezeit

Für mich gehört mittlerweile zu jedem Städtetrip eine Führung dazu. In diesem Fall eine Führung durch die alte Speicherstadt und moderne HafenCity. Selbst wenn Ihr nicht zum ersten Mal in Hamburg seid, kann ich Euch eine Führung durch die Stadt nur ans Herz legen. Ihr werdet immer wieder neue spannende Dinge entdecken.

Gebucht habe ich meine Führung bei Führungen-Hamburg, über die ich übrigens bei Twitter „gestolpert“ bin. So funktioniert Marketing ;-). Melanie ist eine tolle Gästeführerin. Lustig, witzig, aber nicht albern und sie kann eine Menge über Hamburg erzählen, obwohl sie keine gebürtige Hamburgerin ist. Merkt man gar nicht. Hört man auch nicht. Mich begeistern diese kleinen Anekdötchen (da kommt wieder der Kölner durch; alles wird verniedlicht) zwischendurch.

Speicherstadt Hamburg – Bau der Elbphilharmonie

Ein Muss bei jeder Führung: ein Besuch der Elbphilharmonie plus Plaza. In meinem Fall hatte ich eine einstündige Tour rund um die Elbphilharmonie, liebevoll abgekürzt: Elphi, gebucht und dafür eine zweistündige Tour durch die Speicherstadt + HafenCity plus jede Menge Infos zur Elphi bekommen.

Dass der Bau um einiges teurer wurde als veranschlagt, weiß ja mittlerweile jeder. Dass es ein wenig länger gedauert hat, auch. Aber sie ist immerhin fertig geworden, was man vom Flughafen in Berlin ja nun mal nicht behaupten kann. 6 Jahre verspätet und auch fast 11 mal so teuer, aber fertig. Obwohl die Hamburger sehnsüchtig auf die Fertigstellung gewartet haben, gibt es auch immer noch Elphi-Gegner, die die Verschwendung der Steuergelder kritisieren. Und die das Konzerthaus seitdem boykottieren. Aber es werden weniger. Und irgendwann erliegen auch die letzten Gegner dem Charme von Elphi.

Auch hier war es wie immer im Leben: erst mal machen und dann nachdenken. Nachdem der Zuschlag zum Bau gefallen war, wurde schon mal euphorisch angefangen zu bauen. Nach einiger Zeit fragte man sich dann, ob die Statik des alten Kaispeichers die Last von Beton, Stahl und Glas der Philharmonie überhaupt tragen würde. Ihr ahnt es…natürlich nicht. Die komplette Speicherstadt – und von der erzähle ich später noch mehr – steht auf Holzpfählen. Mein erster Gedanke war: Holz? Und drum herum Wasser? Das hält? Aber es ist wie in Venedig…es hält schon viele Jahre und vermodert nicht. Damit die Elbphilharmonie sicher stehen kann, mussten dann noch mal 650 Betonpfähle eingesetzt werden. Diesmal aber Beton…wohl einfacher, als 650 Bäume zu fällen. Weniger Erklärungsbedarf…

Sanierung nach Baustopp

Der Speicher selbst, naja, ein viereckiger Klotz mit roten Backsteinen, sah vor dem Krieg mal ganz nett aus. Hat dann gelitten und wurde nicht originalgetreu, sondern im Jahr 1963 zweckmäßig wieder aufgebaut. Bei einem Projekt dieser Größe gibt es immer mal wieder Unstimmigkeiten zwischen den Parteien. Solch eine Unstimmigkeit führte dann zu einem Baustopp von sage und schreibe 1,5 Jahren! Die haben tatsächlich über ein Jahr nicht weitergearbeitet und trotzdem hat das Projekt jeden TAG Unsummen verschlungen. Und die Hamburger mussten weitere 1,5 Jahre mit ihrer unfertigen Baustelle leben.

Als man dann entschied, dass es weitergehen soll, musste das eh noch unfertige Gebäude saniert werden, um die Schäden des Baustopps zu beheben. Das Dach war ja noch nicht drauf und obwohl es in Hamburg ja nur ganz selten regnet (kleiner Scherz ;-)), war Feuchtigkeit und natürlich auch Schimmel im Gebäude. Also musste erst mal wieder kernsaniert werden. Dauert länger und kostet natürlich auch einiges.

Zum Regen in Hamburg habe ich einen ganz tollen Spruch gehört, der so typisch für Hamburg ist: „Es ist erst Regen, wenn die Heringe auf Augenhöhe vorbeischwimmen.“ Netter kann man das Hamburger Schietwetter kaum umschreiben.

Elbphilharmonie Details

1. Fenster

Mich faszinieren die Fenster der Elbphilharmonie. Insgesamt 1.100 Stück, manche flach und andere gewölbt. Eine Herausforderung. Ich bin mir nicht mehr 100%ig sicher, wie teuer ein Fenster war. Unsere Tourguide Melanie hat es gesagt, aber ich hab’s natürlich wieder mal vergessen. Schon aus diesem Grund lohnt eine Führung mit ihr durch die Speicherstadt und Hafencity. Im Netz kursieren Werte um 72.000 EUR pro Fenster, aber ob das stimmt? Ich weiß nur noch, dass es richtig (und wirklich: RICHTIG) teuer war.

2. Hotel

In der Elphi gibt es ja neben den beiden Konzertsälen auch 45 Luxuswohnungen, ein Parkhaus und das Hotel The Westin Hamburg. Und in dem Hotel vergessen die Gäste wohl manchmal, dass Fenster durchsichtig und keine Spiegel sind. Man kann also nicht nur von drinnen das Treiben draußen  betrachten, sondern genauso gut auch von draußen nach drinnen schauen. Und je höher die Hotelgäste am Fenster stehen, desto…na, Ihr wisst, was ich meine.

3. Parken

Parken in der Elbphilharmonie ist ein Luxusgut. München ist teuer, aber Preise wie in diesem Parkhaus gibt’s bestimmt noch nicht mal in München. Hier kostet die Stunde aktuell 5 Euro und das Tagesticket gibt’s für 50 Euro. Hotelgäste zahlen übrigens 6 Euro für die Stunde, maximal aber auch „nur“ 50 Euro. Man kann allerdings seinen Parkplatz auch online bereits im Voraus buchen; dann kosten 4 Stunden nur 10 Euro und das Tagesticket 35 Euro. Das ist dann wahrscheinlich der Veranstaltungstarif.

4. Rolltreppe

Ein Highlight soll die Rolltreppe hoch zur Plaza sein. Auch wenn ich das Gebäude mit seiner absolut speziellen Architektur total klasse finde, gefällt mir die Rolltreppe nicht. Schön ist ja, dass ich nicht rauf laufen muss. Aber diese Rolltreppe ist ein Bummelzug ohne Fenster. Laaangweilig. Man fährt ganz gemächlich durch einen Tunnel nach oben und steht dann vor einem großen Fenster und schaut runter. Toll…

Jetzt heißt es, dass die Rolltreppe mit Absicht innen verläuft, damit Leute mit Höhenangst nicht mitbekommen, wie hoch sie fahren. Damit sie also erst oben am Fenster den Schlag bekommen. Das macht doch keinen Sinn. Man sieht ja schon von unten, dass die Plaza recht weit oben ist. Also, warum nicht direkt ein paar Fenster einbauen. Aber jetzt ist’s eh zu spät. Und eventuell hätte es die Optik gestört. Die Architekten haben sich bestimmt etwas dabei gedacht.

5. Konzertsäle

Wir haben auch noch einiges an Info über die Konzertsäle erhalten. Man hat ja so einiges in der Presse über die schlechte Akustik in dem Großen Saal gelesen. Dabei haben sich die Verantwortlichen beim Bau extreme Mühe gegeben, dass der Klang an jedem Platz gleich gut ist. Da wurde sehr viel Zeit und auch sehr viel Geld investiert. Das Problem ist halt nur: die Künstler müssen sich vor ihren Konzerten gründlich mit ihrem Soundcheck beschäftigen. Nur so ist gewährleistet, dass die Akustik überall im Raum gleich gut ist. Ist also alles gut mit der Akustik in der Elphi.

6. Führungen

Es gibt Führungen durch die Elbphilharmonie mit Besichtigung der Konzertsäle, aber die müssen direkt auf der Seite der Elbphilharmonie gebucht werden. Da sollte man auch recht schnell buchen, weil die Plätze schnell ausgebucht sind. Die öffentlichen Führungen kosten aktuell 15 Euro und dauern etwa 75 Minuten.

7. Plaza

Natürlich darf ich die Plaza nicht vergessen. Dafür braucht man eigene Tickets. Die bekommt man entweder vor Ort kostenlos oder man besorgt sie sich online, muss dann aber eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro zahlen. Lohnt sich das? Auf jeden Fall! Von 37 Metern Höhe hat man schon einen ganz schönen Blick auf die Stadt und den Hafen. Muss man sich natürlich mit einer Menge anderer Leute teilen, aber es verteilt sich ganz gut. Der Innenbereich der Plaza ist quasi das Foyer des Konzerthauses. Von hier habt Ihr Zugang zu den Konzertsälen und zum Hotel. Dieser Innenbereich ist wirklich hanseatisch, kein Schnickschnack, alles sehr minimalistisch gehalten.

Mittlerweile ist auch der erste Hype um die Karten ein wenig abgeebbt und man bekommt wieder Eintrittskarten für kleineres Geld und muss nicht Monate im Voraus buchen. Für ein Konzert hat bei mir die Zeit nicht gereicht, aber wer weiß, vielleicht beim nächsten Besuch…?

Geschichte der Speicherstadt Hamburg

Rund um die Speicherstadt habe ich aber auch noch eine Menge gelernt. Ganz früher lag der Hafen von Hamburg mitten in der Stadt. Also mitten in der heutigen Stadt. Der Bereich Binnenalster war der Hafen und er war zollfreies Gebiet. Darauf war Hamburg stolz und deshalb ging es Hamburg auch ziemlich gut. Dann gab es vom Kaiser eine Auflage und der Hafen musste umziehen. Dort, wo jetzt die Speicherstadt steht, standen damals die Häuser der Hafenarbeiter. Dicht an dicht gedrängte schmale Häuser.

Die Hygienestandards waren nicht wirklich hoch, es drängten sich viele Menschen in kleinen Wohnungen. Krankheitserreger verbreiteten sich rasend schnell und der Stadt war dieser Ort ein Dorn im Auge. Somit war schnell klar: dieses Viertel kommt weg und die Speicherstadt mit zollfreiem Hafen wird hier erbaut. Und seitdem hat sich kaum etwas verändert. Bis auf die Tatsache, dass heute hauptsächlich Kreative hier „schaffen“, statt Tabak, Gewürz- und Kaffeehändlern. Nur die Teppichhändler sind geblieben.

Moderne Architektur in der HafenCity

Die Speicherstadt, erbaut zwischen 1885 und 1927 (seit 2015 UNESCO-Welterbe), geht ja quasi nahtlos in die moderne HafenCity – Hamburgs jüngster und modernster Stadtteil – über. Und auch einer der teuersten. Bis jetzt. Während die Wohnungen im ersten Bauabschnitt noch zu exorbitant hohen Preisen verkauft wurden, werden jetzt bei den weiteren Bauabschnitten die Preise gesenkt und das Areal in Eigentums- und Mietwohnungen sowie Büros anteilig aufgeteilt. So „verkommt“ die HafenCity nicht zur GhostCity, weil die Wohnungen zwar verkauft sind, aber nur als Wertanlage dienen und nicht bewohnt werden.

Wir laufen auf unserem Rundgang weiter durch die HafenCity. Von jeder Stelle hat man einen tollen Blick auf den Hafen und auf die Elbphilharmonie. Ein Gebäude schaut aus wie ein Kaktus. Manche bezeichnen es „liebevoll“ als Döner-Spieß. Und ganz ehrlich…es schaut auch so aus. Ganz oben gibt es ein riesiges Penthouse über mehrere Etagen. Man munkelt, dass die Wohnung einem Promi gehört. Und nun wird doch tatsächlich direkt vor dem Döner gebaut. Weitere Hochhäuser, 2 Stück. Da ist sie dann dahin, die tolle Aussicht auf Hafen und Stadt. Vom Penthouse. Armer Promi…

Fernab der Speicherstadt – Futuristische Bahnhöfe in der HafenCity

Zu einem neuen Stadtteil gehört natürlich auch eine Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr, sprich an das Netz der HVV. Wenigstens beim ersten Bauabschnitt bin ich mir so gut wie sicher, dass die Bewohner nie in eine U- oder S-Bahn einsteigen würden. Unter ihrem Niveau. Aber ich kann mich ja auch irren.

Für die HafenCity wurde die U4 verlängert. Und somit sind drei tolle neue U-Bahnhöfe entstanden:

Überseequartier

HafenCity-Universität

Das Highlight sind die Farbwürfel, die Schiffscontainer darstellen sollen und alle paar Sekunden die Farbe wechseln. An den Wochenenden und an Feiertagen sogar zu klassischer Musik (immer zur vollen Stunde zwischen 10 und 18 Uhr). Eine Lichtorgel sozusagen. Wie in Planten un Blomen, nur ohne Wasser.

Elbbrücken

Die Architektur ist luftig modern, mit einer tollen Aussicht auf die Elbe, den Hafen und die HafenCity. Zur Zeit ist es die Endhaltestelle der U4, aber wer weiß schon, wo die Reise noch hingeht.

Und nach diesem kleinen Rundgang durch Speicherstadt und Hafencity sind wir wieder an der Elphi angekommen. Ein Mix aus alt und neu: der alte Kaispeicher vereint mit einem sehr modernen Aufsatz aus Glas, Beton und Stahl, die alte Speicherstadt und die sehr moderne HafenCity.

Zum Schluss noch kurz ein Restaurant-Tipp bzw. ist es eher ein Hinweis. Direkt gegenüber der Elbphilharmonie gibt es Carls Brasserie. Da wollte ich eigentlich hin und eine Currywurst Deluxe essen, aber ich habe es zeitlich leider nicht mehr geschafft. Den Namen „Currywurst Deluxe“ habe ich selbst erfunden, weil es dort eben Currywurst mit Pommes Frittes und Salat für kleines Geld gibt, aber eben doch teurer als ein Fischbrötchen.

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