Unterwegs

Augsburg – die Stadt der Fugger7 Minuten Lesezeit

Ich habe etwa drei Jahre in Augsburg gewohnt, bevor ich dann doch nach München gezogen bin, aber ich bin immer gerne mal wieder dort. Der erste Eindruck von Augsburg ist wie nach Hause kommen. Die Stadt ist klein und überschaubar, aber etwas ganz Besonderes.

Dass Augsburg früher eine sehr reiche Stadt war, haben wir wohl alle irgendwann mal in der Schule gelernt. Die Fugger waren unermesslich reich und konnten vor allem auch ziemlich gut mit Geld umgehen. Nachfahren der Fugger leben auch heute noch in Schlössern rund um Augsburg. Nicht umsonst spricht man bei Augsburg auch von der Stadt der Fugger.

Augsburg – Rathaus

Wenn ich damals Besuch hatte, führte der erste Weg ins Rathaus mit seinem Goldenen Saal. Kommt Ihr da rein, werdet Ihr erstmal vom Blattgold erschlagen. Ich hab’s ja eigentlich nicht so mit übermäßig ChiChi, aber ansehen muss man sich das schon. Das Rathaus selbst schaut von außen nicht wirklich groß aus, mir gefällt aber die Fassade. Ist ein schönes Fotomotiv. Die Tickets für den Goldenen Saal gibt’s mittlerweile am Ticket-Automaten im Rathaus-Foyer oder in der Tourist-Info am Rathausplatz 1, gegenüber vom Rathaus. Ist nicht teuer (kostet aktuell 2,50 EUR für Erwachsene), aber der Prunk will ja auch gepflegt werden. Und dann muss man in den 1. oder 2. Stock hoch…wow.

Ein irre hoher Raum mit unzähligen Gemälden, Deckenfresken, Spiegeln und 60 Fenstern! Dazu kommen dann noch die Nebenräume, alle mit dickem Teppich ausgelegt und hohen, alten Türen. Bei den Türen hat mich fasziniert, wie hoch die Türklinken angebracht sind. Dabei sollen die Menschen früher doch kleiner gewesen sein. Türklinke in Augenhöhe…macht das Sinn?

Früher wurden in dem Saal Kaiser und andere bedeutende Personen empfangen, heute nutzt ihn die Stadt Augsburg für Empfänge und andere Events. Oder eben um dem Besuch zu imponieren.

  • Infos zum Goldenen Saal
  • Öffnungszeiten:
  • Montag bis Sonntag 10:00 – 18:00
  • Eintritt kostet 2,50 EUR pro Person

Fuggerei in Augsburg

In der Vergangenheit stand Augsburg für Fugger. Und dass diese reiche Familie sehr gut mit Geld umgehen konnte, stand außer Frage. Aber die Fugger waren nicht nur reich, sondern auch noch sehr sozial. So haben sie zwischen 1514 und 1523 die Fuggerei errichtet. Quasi Sozialer Wohnungsbau im Mittelalter. Dafür wurden kleine Häuschen mit ein bis zwei noch kleineren Wohnungen errichtet und die Bewohner konnten diese für einen „Appel und ein Ei“, also für wirklich kleines Geld, mieten. Es gab allerdings auch Auflagen:

  •  Man musste bis 22 Uhr am Abend zu Hause sein, sonst war das Tor zu und man kam nicht wieder rein.
  •  Jeden Tag dreimal für die Stifterfamilie beten
  •  Es dürfen sich nur Augsburger bewerben
  •  Mit vorbildlichem Führungszeugnis
  •  Katholisch muss man sein
  •  Und zu guter Letzt noch bedürftig

Wenn das alles zutrifft und man bereit ist, jeden Tag drei Gebete zu sprechen, dann hatte und hat man immer noch eventuell Chancen, eine der begehrten Wohnungen zu bekommen. Denn an den Wohnbedingungen hat sich bis heute nichts geändert. Die Miete im Jahr kostet auch heute noch…

Trommelwirbel!!!!!   

Unglaubliche 88 Cent!!!!!!!!!

Im J A H R!!!

Ok, die Nebenkosten zahlen die Mieter selbst.

Nun gut, ich bin kein Augsburger (gerade mal in den 3 Jahren, die ich dort gewohnt habe), definitiv nicht katholisch und auch nicht bedürftig (zum Glück), zudem arbeite ich in München und die Pendelei hab ich erfolgreich hinter mir gelassen.

Auch heute noch gibt es den Nachtwächter, der kontrolliert, wann man am Abend zu Hause ist. Nachts um die Häuser ziehen ist nicht. Wer zwischen 22:00 und 24:00 nach Hause kommt, muss eine kleine Strafe zahlen, wer erst nach Mitternacht eintrudelt, der muss etwa 1 Euro Strafe zahlen. Das ist mehr als eine ganze Jahresmiete!!! Aber Strafe muss sein. Ich vermute auch ganz stark, dass sich der Nachtwächter aufschreibt, von wem er das Geld bekommt. Und wenn es Überhand nimmt, dann gibt’s bestimmt irgendwann Ärger.

Das ganze Projekt muss sich ja auch heute noch irgendwie finanzieren. Getragen wird die Fuggerei auch heute noch von dem Stiftungsvermögen der Fuggerschen Stiftung. Aber einen großen Teil macht auch der Tourismus aus. Seit 2006 kann man das Gelände mit eigener Kirche, umschlossen von einer eigenen kleinen Stadtmauer besichtigen.

  • Infos zur Fuggerei
  • Öffnungszeiten:
  • April – September 08:00 – 20:00
  • Oktober – März 09:00 – 18:00
  • Preise aktuell
  • Erwachsene 4,00 EUR
  • Jahreskarte für Augsburger 5,00 EUR | für Nicht-Augsburger 10,00 EUR
  • Preise ab 01.05.2019
  • Erwachsene 6,50 EUR
  • Jahreskarte für Augsburger 10,00 EUR | für Nicht-Ausburger 20,00 EUR (gültig für 2 Personen)

St. Ulrich und Afra

Das sind ja zwei Kirchen in einer! Die evangelische Kirche St. Ulrich und die katholische Kirche St. Ulrich & Afra. Während es aussieht, als würde die Augsburger Maximilianstraße direkt in die evangelische Kirche hineinführen, muss man den Eingang der katholischen Kirche an der Seite erstmal suchen. Ich war bisher nur in der katholischen Kirche. Ich liebe Kirchen, obwohl ich ja irgendwann mal evangelisch war. Geht da mal rein und dann bin ich gespannt, was Ihr zu dem Gitter sagt. Ich war damals total beeindruckt. Dieses – ich meine, es ist Schmiedeeisen – Gitter ist aus dem Jahr 1712 und dieser perspektivische Laubengang ist irre. Perspektive hat ja eh was, aber in der Kirche hätte ich so ein Kunstwerk nicht vermutet.

Augsburger Dom

Der Dom…schaut von außen ganz unspektakulär aus. So ganz anders als die Kirchen, die man in Bayern so sieht. Kein extra Schnickschnack. Keine Zwiebeltürme. Nix bunt. Einfach eine gerade klassische Kirche. Und alt. Wirklich alt.

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Kirchen ihren eigenen Geruch haben? Nicht nur diesen Weihrauchgeruch. Irgendwie riecht man altes Gemäuer. Manchmal fühlt es sich auch ein bisschen feucht und klamm an, so als müsste man viele Meter unter der Erde sein. Müsste…dabei ist alles ebenerdig.

Altstadt

Bei mir ist es die Altstadt, offiziell ist es wohl das Lechviertel: Vorderer, Mittlerer und Hinterer Lech. Bis etwa 1980 waren die Kanäle noch abgedeckt und auch das Viertel nicht eine der besseren Wohngegenden. Heute kaum vorstellbar. Ich bin totaler Fan dieser Ecke. Die engen Gässchen, die im Zuge der Sanierung auch ihr Kopfsteinpflaster zurückbekommen haben. Früher eine echt verrufene Gegend, heute eine begehrte Adresse.

Wenn Ihr in Augsburg seid, dann bummelt doch mal durch die Gassen der Altstadt  (denkt aber an flache Schuhe…das Kopfsteinpflaster ist wirklich überall). Früher war das Lechviertel ein reines Handwerker-Viertel und das Wasser in den Kanälen trieb die Wasserräder an. Übrig geblieben ist heute nur noch ein Wasserrad. Und das steht da bestimmt auch nur noch zu Show- und Lernzwecken.

Ich habe auch schon häufiger gelesen, dass es in diesem Viertel mehr Brücken als in Venedig geben soll. Nun ja…es gibt aber weniger Kanäle. Vielleicht kann mir das ja mal jemand erklären. Ich glaub das nicht so wirklich..

Kult in Augsburg – Augsburger Puppenkiste

Wer kennt sie nicht…Jim Knopf, Lukas, der Lokomotivführer und Urmel und noch viele Marionetten mehr. Die Augsburger Puppenkiste ist wohl das berühmteste Marionetten-Theater der Welt. Wer sich mal eine Vorstellung anschauen möchte, muss zum Heilig-Geist-Spital gehen. Die berühmteste Kiste der Welt ist tatsächlich in einem Seniorenheim untergebracht! Und die Tickets sind recht schwer zu bekommen. Dabei sind sie echt günstig (wahrscheinlich sind sie deshalb so schnell weg): die teuersten Tickets kosten zwischen 14,00 und 29,00 EUR und die Günstigsten zwischen 9,50 und 19,00 EUR.

Den Spielplan und weitere Infos zur Puppenkiste könnt Ihr auf www.augsburger-puppenkiste.de nachlesen. Übrigens ist seit ein paar Jahren in dem Spital auch das Puppenkistenmuseum untergebracht. Also für diejenigen unter Euch, die entweder keine Tickets für eine Vorstellung mehr bekommen haben oder diejenigen, die nur die Puppen sehen wollen, wäre das doch eine tolle Idee.

Essen in Augsburg

Essen gehen in Augsburg war immer ein Fest. Die Stadt ist so klein, aber es gibt unzählige gute Restaurants in unmittelbarer Nähe. Alleine rund um die Maximilianstraße habt Ihr die Qual der Wahl. Jetzt war ich schon seit einiger Zeit nicht mehr essen in Augsburg (weil ich ja jetzt in München wohne), aber damals hätte ich Euch schon das ein oder andere Restaurant empfehlen können.

Zum Beispiel die „Lustküche„. Ich fand damals den Namen ganz spannend. Ein recht kleiner Laden mitten in der Augsburger Altstadt – man muss schon ein bißchen suchen, wenn man sich nicht ganz so gut auskennt. Modernes Ambiente und schöne Gemälde an den Wänden. Das Essen war sehr gut und wenn ich den Bewertungen bei Google glauben darf, kann man dort immer noch sehr gut essen.

Herausragend für mich war damals ein Besuch im Restaurant Die Ecke. Ich war erst ein wenig irritiert, weil es doch ein Sterne-Restaurant war und die Einrichtung und das Ambiente doch sehr altbacken waren. Und das Haus selbst war so alt und schaute auch so gar nicht mondän aus. Aber das Essen war sooo lecker und der Service war so nett. Preis/Leistung hat absolut gestimmt. Falls Ihr dort mal hin möchtet, müsst Ihr nur neben dem Rathaus die Treppen runter gehen und schon seid Ihr da.

Ebenfalls am Rathaus, bzw. unter dem Rathaus ist der Ratskeller Augsburg. Da hat’s mir gut gefallen. Dieses alte Gewölbe mit verschiedenen Ebenen. Ist jetzt keine gehobene Küche, eher etwas besseres Biergarten-Essen. Aber wirklich lecker.

Ausgehen in Augsburg

Augsburg ist eine junge Stadt. Die Universität hat einen ziemlich guten Namen und da die Stadt nicht sehr groß ist (und die Wohnungen auch noch bezahlbar), liegt hier alles dicht beieinander. Heißt, dass die Leute hier weniger ins Umland ziehen, sondern direkt in der Stadt bleiben.

Und mitten in der Stadt, rund um den Moritzplatz und die Maximilianstrasse findet Ihr Bar an Bar, dazwischen auch mal einen Keller-Nacht-Club, so wie das Barfly. Ich war zwar schon ewig nicht mehr dort, aber für den, der enge, volle Räume mag, ist der Club perfekt. Ich hab gerade noch mal nachgelesen, da hat sich wohl in den ganzen Jahren nichts geändert. Aber ich muss gestehen, ich war in den Jahren, in denen ich in Augsburg gewohnt, oft und gerne dort.

Aber auch die kleinen Bars und Restaurants am Moritzplatz habe ich echt gemocht. Dort gibt es Läden, in dem ständig die Hölle los ist und sich tolle Leute treffen. Ich war ein großer Fan vom Capitol. Aber das gibt’s jetzt nicht mehr. Jetzt heißt es „Weißer Hase im Capitol“. Nun ja…es war früher mal ein Kino und Leinwand und Saal gab es immer noch. Zu besonderen Events gab es dann auch immer noch Filmvorführungen. Im Sommer konnte man schön draußen sitzen und Leute gucken. Ich war aber jetzt schon etwas länger nicht mehr dort, daher weiß ich nicht, wie es jetzt ist. Aber direkt gegenüber gibt’s eine Eisdiele: Café Goldener Erker. Der Name ist ein wenig angestaubt, aber das Eis ist sooo lecker. Und die Eiswaffeln erst…

Mein persönliches Fazit zu Augsburg

Als ich 2006 für meinen Job in München nach Bayern gezogen bin, habe ich mich mehr oder weniger bewusst für eine Wohnung in Augsburg entschieden. Klar wusste ich, dass Wohnen in München teuer ist und die Mieten in Augsburg nur günstiger sein können.

Und: Augsburg ist überschaubar. Eine alte, berühmte Kleinstadt. Ich liebe zwar Großstädte, aber Augsburg ist Besonders. Soviel Sehenswertes auf doch recht kleiner Fläche…wunderbar. Und so kommt es, dass ich dann doch regelmäßig wieder einen Besuch in der Fuggerstadt einbaue, obwohl ich mittlerweile doch schon seit fast 10 Jahren in München wohne.

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