Unterwegs

Rundgang durch Palma8 Minuten Lesezeit

Es wird doch jetzt langsam mal Zeit, mit dem Vorurteil gegenüber Mallorca und seiner Inselhauptstadt Palma de Mallorca aufzuräumen. Es gibt noch so viele Leute, die glauben, die Insel definiere sich nur durch Party, Party, Party. Dabei gibt es so viel mehr zu sehen und zu entdecken. Schaut Euch doch nur mal Palma an. 

Und da bin ich auch schon mitten drin in meiner kleinen Liebeserklärung an diese wunderbare Stadt. Ich habe mich in kürzester Zeit in Palma verguckt. Und zwar auf dem kurzen Weg vom Flughafen in die Stadt. Ich habe das Taxi genommen. Der Weg ist nicht weit und es hat mich gerade mal 20 Euro inklusive Trinkgeld gekostet. Es ist der schnellste und bequemste Weg. Für mich…

Damit meine Liebe anhält sollte ich zukünftig wahrscheinlich immer im Februar hinfliegen. Denn jetzt war es in den Gassen der Altstadt wirklich entspannt. In manchen Ecken war ich sogar ganz alleine (kurzzeitig). Aber auch im Winter legen Kreuzfahrtschiffe im Hafen an und die zusätzlichen Besucher merkt man auch im Februar schon. Es sind mehr Reisegruppen unterwegs. Im Sommer ist es dann vielleicht nicht mehr ganz so schön. 

Ich mag mich ja immer sehr gerne auf mein Reiseziel vorbereiten. Meistens inhaliere ich schon zu Hause den (oder die) Reiseführer und arbeite mir vorab schon akribisch meine eigene Führung aus. Damit ich wenigstens schon mal die Geschichts-Basics weiß und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kenne. Dieses Mal war alles etwas anders. Ich habe mich so gar nicht auf Palma vorbereitet. Der Plan war, mich einfach treiben zu lassen. Ging nicht so ganz auf, weil ich mir kurz vorm Abflug dann doch noch einen Reiseführer gekauft habe. In den ich dann auch etwa 30 Minuten vor der Landung noch kurz geschaut habe. Aber so einen Reiseführer kann man ja immer mal gebrauchen. Und sei es dafür, ein paar Details für diesen Beitrag nachzuschlagen…

Palma – meine Vorbereitung

Also treiben lassen und – damit ich wenigstens ein bisschen über die Stadt lerne – habe ich mir kurz vor Abflug über Get Your Guide eine Führung durch die Altstadt von Palma de Mallorca gebucht. Kostete 29,50 Euro und war definitiv gut angelegtes Geld. Wenn es Euch interessiert, kann ich Euch diese Führung empfehlen: Mallorca Altstadt-Führung in Palma bei Get Your Guide (*)  Werbung 

Jetzt haben wir Februar und ich dachte mir schon, dass es keine große Gruppe sein wird. Aber so klein hätte ich dann doch nicht gedacht: ich bekam eine Privatführung! Jeder andere Veranstalter hätte abgesagt, aber Maria – meine super nette und allwissende Stadtführerin – meinte nur, dass sie hätte wählen können: entweder Büro oder bei dem schönen Wetter an die Luft… Gut, dass sie sich für die Luft entschieden hat. Aber das Wetter war wirklich super für Ende Februar (allerdings auch zu Hause in München und ich wollte doch dem Winter entfliehen). 

Und so kam ich dann zu meinem ersten privaten Rundgang durch Palma mit jede Menge Input. Ein bisschen Geschichte: wie alt Palma ist, wer alles schon hier war (keine Promis, sondern Phönizier, Mauren, Römer usw.), wie Palma und die Balearen an ihre Namen kamen und so weiter. Und dann ging’s auch schon los. Kurz vorweg: Ihr seht alles nur von außen. Die Beschreibung der Tour ist ein bisschen irreführend, weil da ja steht, dass Eintrittsgelder nicht im Preis enthalten sind. Bei knapp 2 Stunden Rundgang würde ein Besuch der Kathedrale oder diverser Museen aber auch den Zeitrahmen sprengen. 

Palma de Mallorca – Palacio La Almudaina

Ich will Euch jetzt nicht die komplette Altstadt erklären, sondern nur ein bisschen Lust auf die geführte Tour machen.  Los geht’s am Königspalast. Und irgendwie habe ich angenommen, dass das auch heute noch der Palast der Königsfamilie ist. Man weiß ja, dass sie ihre Sommer gerne auf Mallorca verbringen, da hätte ich Palma als Hauptstadt der Insel ganz passend gefunden. Nach kurzer Recherche habe ich herausgefunden, dass die spanische Königsfamilie schon seit Jahrzehnten im Marivent-Palast am Stadtrand von Palma, oberhalb des Hafens, wohnt, wenn sie auf der Insel sind. Und man kann zwar nicht den Palast, aber die königlichen Gärten besichtigen. Wenn die Familie nicht auf Mallorca ist. Über Ostern und im Sommer kann man nur durch den Zaun gucken, obwohl das Sicherheitspersonal das wahrscheinlich auch nicht so toll findet. 

Wieder zurück zum Königspalast in Palma. Der war nur ein paar Jahre auch wirklich von einem König bewohnt. Nämlich kurz nach seiner Fertigstellung. Aber der aktuelle König hat immer noch seinen Amtssitz in dem Palacio La Almudaina. Seine Anwesenheit auf der Insel sieht man durch die Flagge auf dem Dach des Palastes. Es gibt drei Eingänge in den Palast. Erkennt man an den drei kleinen Wachhäuschen. Das erste Häuschen regelt den Einlass zum König. Hinter dem zweiten Eingang sitzt noch ein General mit seinem Stab. Und Eingang Nummer 3 ist das Palast-Museum. Ihr könnt Euch den Palast dort auch von innen anschauen.

Eintritt: 7 Euro | April – September: Dienstag – Sonntag 10:00 – 20:00 Uhr | Oktober – März: Dienstag – Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr | Tipp: Mittwoch und Donnerstag ist der Eintritt umsonst: April – September 17:00 – 20:00 Uhr | Oktober – März 15:00 – 18:00 Uhr

Wenn Ihr dann an dem Palast vorbeigelaufen seid und an der Mauer nach unten auf das Meer schaut, dann seht Ihr vorher noch einen künstlichen kleinen See mit Fontäne. Da kann man schön sitzen, sich erholen, grillen und was auch sonst so machen. Für mich absolut unglaublich: bis 1960 war dort tatsächlich noch Meer. Das ging bis an die Stadtmauer!!! Erst als der Tourismus auf der Insel startete, brauchte man Fläche zum Parken der Busse und für all die Urlauber, die jetzt kamen. Und dafür wurde dann Land aufgeschüttet. Vor der Kathedrale. Fanden die Einwohner von Palma, unter ihnen auch Juan Miró, dann aber nicht so schön. Sie waren immer so stolz darauf, dass sich ihre Kathedrale La Seu im Wasser spiegelte. Also wurde der Parkplatz in die Erholungszone Parc de la Mar umgebaut. Mit Teich und Fontäne, Kunst und Skulpturen von Miró. Wo jetzt die Busse parken…? Gute Frage…

Palma und das Meer

Wir sind dann am Hafen und der Seehandelsbörse Sa Llotja vorbeigeschlendert. Das Gebäude gefiel mir von Beginn an sehr gut, aber leider konnte man nicht reinschauen. Für mich hat es einen maurischen Einschlag, obwohl überall steht, dass es spätgotisch ist. Fragt mich nicht, warum ich auf maurisch komme. Und es schaut so aus, als wäre es nicht ganz fertig geworden. Sicher ist aber, dass zwei verschiedene Architekten daran gebaut haben. Denn als die Börse zum vereinbarten Zeitpunkt nicht fertig wurde, hat man den Baumeister ausgetauscht und der hat kurzerhand mal das Material gewechselt. Wenn man vor dem Gebäude steht und genau hinschaut, kann man tatsächlich Unterschiede im Weiß erkennen. 

Innen drin ist nur ein einziger großer Raum, in dem alle Handelsvertreter untergebracht waren. Besichtigen kann man die Börse allerdings nur bei Ausstellungen. Sonst leider nicht. Schade.

Hinter der Börse geht eine Straße rechts ab zu einem kleinen Platz. Auch hier war früher Meer. Ich kann mir das so gar nicht vorstellen. Aber man erkennt es an den Pollern, die ringsum den Platz verteilt sind. Die schauen echt aus wie im Hafen. 

So…und mehr will ich Euch gar nicht großartig über die Gebäude und Ihre Geschichte erzählen. Ich kann Euch die Stadtführung wärmstens empfehlen. Vielen Dank an Maria von Tourguide Me Mallorca für die tolle Führung durch diese tolle Stadt.

Palma und die Kunst

Ich bin dann aber nach der Führung noch mal durch die Stadt gelaufen und habe ein paar Fotos gemacht. Und natürlich sieht man auch in Palma überall Street Art. Ich dachte ja, ich hätte ja schon so einiges an Strassenkunst gesehen, aber scheinbar noch nicht alles…

Mein erster Gedanke war: wer hat da seine Schuhe entsorgt? Wir sind ja in der Altstadt, aber wie betrunken muss man sein, um seine Schuhe um Leitungen in luftiger Höhe zu wickeln und dann höchstwahrscheinlich barfuß nach Hause zu laufen???

Der zweite Gedanke: ist das Kunst oder kann das weg?

Und Ihr werdet es nicht glauben: es ist tatsächlich Kunst! Nennt sich Shoefiti. Musste ich erst mal bei Google recherchieren. Für diese Street Art gibt es mittlerweile sogar schon einen Wikipedia-Eintrag. Ok…aber wie bekommt man seine Schuhe denn jetzt da hoch? An den Schnürsenkeln zusammenbinden und hochwerfen. Wenn man Glück hat, wickeln sie sich um die Leitung. Wenn nicht, kommen sie halt wieder runter. Aber so ganz nüchtern können die „Künstler“ nicht mehr gewesen sein…

Eine weitere Form von „Kunst“ ist das hier:

Die Kunst der Verkabelung. So eine Box kann man ja auch einfach außen an die Fassade hängen. Dann haben andere auch noch was davon. Wir sehen das in Deutschland einfach viel zu eng. Bei uns muss ja alles immer unter Putz liegen, sonst stört es die Ästhetik. Auf Mallorca liegen einfach alle Leitungen außen, da stört dann auch nichts das Auge. Ich habe das in Sóller noch mal gesehen. Da sieht das dann so aus:

Wir nehmen das mit den Bestimmungen hier einfach viel zu genau. 

Genießen in Palma

Ansonsten kann ich Euch für Palma nur empfehlen, gemächlich durch die Gassen zu schlendern und sich wirklich mal treiben zu lassen. Vielleicht auch ein bisschen Geld auszugeben, denn es gibt dort Läden, die es bei uns nicht gibt. Natürlich findet Ihr Filialen von H&M oder Zara, aber bummelt doch mal durch Rialto Living und lasst Euch von den Einrichtungs-Trends inspirieren.  

Wenn ich alleine unterwegs bin, fehlt mir meistens der Mut, mich zum Essen irgendwo hinzusetzen (jaaa, ich bin ein Schisser). Aber am letzten Tag in Palma hatte ich bis zum Rückflug noch viel Zeit. Und da ich nach vier Tagen und unzähligen Schritten keine Lust mehr auf Laufen hatte, war ich ganz mutig und habe mir auf der Terrasse vor dem Museum Es Baluard (übrigens ein modernes Museum) ein leckeres Sandwich gegönnt. Im Sitzen…ausnahmsweise. 

Man sitzt dort wirklich gut, mit Blick auf den Hafen und das Meer. Es empfiehlt sich aber, zum Lunch relativ früh zu kommen, weil man ab 14:00 Uhr schon keinen Platz mehr draußen bekommt.  

Palma de Mallorca – La Seu

Jetzt hätte ich fast meinen Besuch in der Kathedrale „La Seu“ vergessen. Bevor ich wieder nach Hause fliege, musste ich auf jeden Fall noch in die Kathedrale. Ich hatte vorher schon soviel über das Licht und die Farben gelesen, dass ich mir das doch noch anschauen musste. Also der Eintritt kostet schon mal Geld, nämlich ganze 7 Euro. Für diese 7 Euro gibt es einige Räume zu besichtigen, ich muss aber gestehen, dass ich nur in der Hauptkirche war. Ich war so eingefangen von den Lichtspielen, ich kam da nicht weg. 

Im Netz hatte ich gelesen, dass man nach der Öffnung um 10 Uhr dort sein sollte, weil dann die Sonne durch die Fenster scheint und es ein tolles Licht gibt. Konnte ich mir jetzt nicht soviel drunter vorstellen. Ich vergleiche ja immer gerne alles mit dem Kölner Dom und da gibt es nur farbige Lichtspiele, wenn die Sonne durch das moderne Richter-Fenster fällt. 

Und genau wie in Köln haben die an der Kirche ewig gebaut. 1230 wurde begonnen und ganze 700 Jahre später war die Kathedrale dann fertig…das heißt, sie ist noch gar nicht so lange komplett. Und weil man so lange gebraucht hat, findet man in der Fassade auch alle Baustile, die es so gibt: Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismuß und Modernismus (Jugendstil). Ich habe gehört, dass auch Gaudí seinen Anteil an der Inneneinrichtung hat. Anders als in Barcelona ist die Kirche allerdings fertig.

Übrigens sind diese Farbspiele am 2. Februar und am 11. November immer am schönsten, weil sich dann eine liegende Acht – also das Zeichen für Unendlichkeit – zeigt. Und an diesen beiden Tagen können Farb-Fans schon ab 7 Uhr morgens umsonst in die Kirche.

Zur Öffnung um 10 Uhr saß ich aber noch gemütlich beim Frühstück (gab lecker Brownies und Mandelkuchen…unter anderem). Ich war dann tatsächlich am 28.02. – Weiberfastnacht – um 11:11 in der Kirche und habe diese Fotos gemacht:

Ich war nüchtern!!! Und hatte keine Pappnase auf. Aber diese Farben, die da durch die Rosettenfenster scheinen, sind der Knaller. Übrigens wurde mir erklärt, dass die Rosette in Palma die drittgrößte der Welt ist, nach Strassbourg und Paris. 

Ich könnte mich direkt wieder in den Flieger setzen und hinfliegen. Sind ja nur 1,5 Stunden Flugzeit von München. Und während in München jetzt der Winter mit Schnee zurückkommt, ist es in Palma immer noch schön warm. 

Wie gefällt Euch Palma? Wart Ihr schon mal da oder wollt mal hin? Was gefällt Euch am Besten? Wart Ihr schon mal im Szene-Viertel Santa Catalina, von dem gerade so geschwärmt wird? 

Ach ja…der mit Sternchen (*) gekennzeichnete Link ist ein Affiliate Link. Wenn Ihr die Führung durch Palma über diesen Link bucht, bekomme ich eine kleine Provision. Für Euch ändert das an dem Preis nichts.

   

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