Unterwegs

Zeche Zollverein in Essen5 Minuten Lesezeit

Das Ruhrgebiet wird ja vollkommen unterschätzt. Von Köln ist es echt nicht weit und ich bin trotzdem noch nicht häufig dort gewesen. Deshalb stand heute das UNESCO Welterbe Zeche Zollverein auf dem Plan. Dass das Ruhrgebiet für Bergbau steht, weiß man ja mittlerweile. Für den Abbau von Steinkohle. Obwohl man ja „stand“ sagen muss. Seit ein paar Tagen ist die letzte Zeche dicht. Damit ist diese Ära jetzt auch endgültig vorbei. Es ist einfach nicht mehr wirtschaftlich. Man muss mittlerweile schon zu tief bohren, als dass sich das noch lohnen würde. Da wird dann lieber die billige Kohle aus Übersee importiert.

Zeche Zollverein – UNESCO Welterbe

Am 23.12.1986 wurde die Zeche Zollverein geschlossen, nach 139 Jahren. Ich finde es fast schon unverzeihlich, dass man dieses Datum gewählt hat. Da hätte man doch auch noch ein paar Tage warten können. Ich vermute mal, es waren damals nicht die entspanntesten Weihnachtstage. Trotzdem ist auch heute noch Leben in der Zeche. Denn es gibt auch heute immer noch genügend zu tun, auch wenn keine Kohle mehr abgebaut wird.

Nach der Schließung sollte das Areal erst komplett abgerissen werden. Nichts mehr sollte an diese Zeit erinnern. Zum Glück wurde dagegen entschieden und seit Dezember 2001 gehört die Zeche Zollverein zum UNESCO Welterbe. In der ehemaligen Kohlenwäsche ist jetzt das Ruhr Museum untergebracht, mit einer Dauerausstellung über das Ruhrgebiet und Wechselausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Aber irgendwie hat das doch alles mit dem Ruhrgebiet zu tun. Ganz ehrlich, ich war doch erstmal irritiert, warum Kohle gewaschen werden muss. Im Zweifel wird sie ja doch weiterverarbeitet oder verbrannt. Macht es da einen Unterschied, ob sie sauber oder schmutzig ist? Mag eine blöde Frage sein, aber sie wurde mir bei der Führung beantwortet.

Zeche Zollverein – Führungen über den Denkmalpfad

Apropos Führung…es gibt auf dem Gelände einen Denkmalpfad, der aber nur mit einer Führung zu begehen ist. Man kann wählen zwischen 2 und 3 Stunden. Bei 2 Stunden muss man sich vorher entscheiden, ob man die Zeche ODER die Kokerei sehen möchte. Bei 3 Stunden bekommt man das Komplettpaket mit Zeche UND Kokerei. Wir haben uns die lange Tour gegönnt. Im ersten Moment dachte ich noch, was tue ich mir da an…? Drei Stunden laufen? Zumal es wie aus Eimern geschüttet hat. Und man ist nicht immer nur drinnen unterwegs. Aber die Führung ist toll und lohnt sich…soviel schon mal vorweg.

Die Tour startet in der Kohlenwäsche und mir wurde erklärt, warum die Kohle gewaschen werden muss. Dieses Gebäude ist riesig – 90 Meter lang, 30 Meter breit und 40 Meter hoch – und wurde eigentlich nur für diese eine Maschine gebaut. In einer Dokumentation, die ich vor kurzem über die Zeche Zollverein gesehen habe, wurde gesagt, dass die Kohlenwäsche keinen echten Eingang hat. Also keinen repräsentativen. Um das Gebäude aber als Museum nutzen zu können, braucht es ja einen Eingang. Also hat man sich diese lange Rolltreppe ausgedacht. Das Ganze dann noch in orange beleuchtet…hat was.

Wofür braucht man eine Kohlenwäsche?

Wir waren zu siebt plus unseren Guide. Wir starten also in der Kohlenwäsche und bekommen die ersten grundlegenden Erläuterungen. Der letzte aktive Schacht der Zeche war Schacht 12 und dort wurde auf 1.150 Metern unter der Erde (also über einen Kilometer abwärts!!) noch Kohle abgebaut. Früher als noch mit Hand gegraben wurde, hat man schon mehr Wert darauf gelegt, möglichst wenig Steine mit nach oben zu befördern. Das ist mit zunehmender Automation nicht mehr möglich gewesen. Und deshalb muss die Kohle durch die Waschanlage, um sie von den Steinen zu trennen. Steine heißen hier Berge. Für diese Transferleistung hat mein Hirn ein bisschen länger gebraucht. Die aussortierten Steine werden auf Halde gelegt und auch schon mal zur Befestigung von Bahngleisen verwendet. Für die Kohle geht die Reise dann weiter in Richtung Kokerei. Übrigens ist Schacht 12 der mit dem markanten Förderturm.

Lieblingsspruch der Tour-Guides: Noch Fragen?

Ich will Euch jetzt nicht die komplette Tour erklären. Will Euch ja nicht die Spannung nehmen. Und Ihr lernt echt eine Menge über Kohle. Falls Ihr noch schwankt, ob Ihr die 2 oder doch lieber die 3 Stunden bucht, dann kann ich Euch die 3 Stunden-Tour empfehlen. Und es wird auch nicht langweilig. Wenn man sich denn auch beteiligt. Wir haben unseren Guide wirklich ständig irgendwelche Sachen gefragt und er sah nicht so aus, als hätte es ihn genervt. Ich hatte aber so das Gefühl, als wären die anderen Teilnehmer ein wenig genervt. Allerdings…wenn man sich so berieseln lässt, können 3 Stunden vielleicht schon ziemlich lang werden.

Das Gelände ist leider nicht barrierefrei. Es gibt keine Aufzüge (außer in den Museen) und man muss schon ziemlich viele Treppen steigen (das waren bei mir an dem Tag 17 Stockwerke). Wir sind auf den Turm von Schacht 12 gestiegen und haben dort eine Projektion gesehen, wie die Kohle von unten heraufbefördert wurde und dann auf die Bänder der Kohlenwäsche ausgekippt wurde. Und immer schön schauen, wohin man läuft, da noch immer Schienen und andere Stolperfallen verlegt sind. Ist also quasi ein großer Abenteuer-Spielplatz. Auf dem man aber nicht unbeaufsichtigt spielen darf.

Attraktionen der Zeche Zollverein

Im Winter ist auf dem Gelände der Kokerei – die übrigens nur zwischen 1961 und 1993 in Betrieb war – eine Eisbahn aufgebaut. Als ich jetzt am 23.12.2018 dort war, war es jedoch definitiv zu warm und in der Mitte hatte sich schon eine große Pfütze gebildet. Da sollte man dann nach Möglichkeit nicht hinfallen, sonst gibt es einen nassen Popo. Ebenfalls auf dem Kokereigelände befindet sich die nächste Attraktion: das Werksschwimmbad – ein kostenloses Freibad! Die Idee dafür kam einem regionalen Künster, der dafür zwei alte Container zusammengeschweißt und mit Wasser gefüllt hat. Jetzt war das Schwimmbad abgedeckt, ich muss also auf jeden Fall noch mal im Sommer hin. Das Wasser ist aber nicht beheizt; es braucht vorher auf jeden Fall ein paar warme Tage, damit das Wasser erträglich ist.

Ein paar Infos zum Schluss

Wie kommt Ihr hin? Kommt natürlich darauf an, woher Ihr kommt. Aus dem Kölner Umland kommend dauert es etwa eine Stunde mit dem Auto. Wie man es vom Rheinland kennt, führt die Autobahn fast bis direkt vor die Tür. Wenn Ihr am Ruhr Museum parken möchtet, dann solltet Ihr ins Navi „Fritz-Schupp-Allee“ eingeben, wollt Ihr direkt zur Kokerei und damit zur Eisbahn bzw. Schwimmbad dann gebt „Arendahls Wiese“ ein. Die Parkplätze sind übrigens kostenlos. Gibt’s auch kaum noch.

Das Gelände der Zeche ist jederzeit kostenlos begehbar. Wollt Ihr eines der Museen besuchen (es gibt noch das Red Dot-Designmuseum), dann müsst Ihr natürlich Eintritt zahlen. Das Ruhr Museum ist von 10:00 bis 18: 00 geöffnet und kostet nur für die Dauerausstellung 8 Euro pro Erwachsener. Das Kombiticket für Dauer- und alle Wechselausstellungen kostet 10 Euro. Kinder bis 17 Jahre kommen umsonst rein. Allein schon für die Dauerausstellung solltet Ihr mindestens 1,5 Stunden einplanen. Ich war ja jetzt da und ich habe noch lange nicht alles gesehen. Mit dem Besuch der Dauer- und Wechselausstellungen seid Ihr bestimmt einen Nachmittag beschäftigt.

Infos zu den Führungen

Es werden jede Menge unterschiedliche Führungen angeboten. Zu den normalen Führungen, über die ich oben schon geschrieben habe, gibt es noch Abendführungen zu allen möglichen Themen. Ebenso unzählige Familien- und Kinderführungen. Mich persönlich interessieren noch die Fotoführungen. Auch hier gibt es wieder die Möglichkeit nur die Zeche oder nur die Kokerei zu wählen:

  1. Zeche fotogen          1. + 3. Sonntag im Monat / April – Oktober / 3 Stunden / 16:00 Uhr / 18,00 EUR
  2. Kokerei fotogen        2. + 4. Sonntag im Monat / April – Oktober / 3 Stunden / 16:00 Uhr / 18,00 EUR
  3. Zeche u. Kokerei      nächster Termin 22.04.2019 / feste Termine / 4 Stunden / 16:00 Uhr / 21,00 EUR

Auch hier gibt es natürlich einen Guide, der die Teilnehmer zu den ganz tollen und besonderen Motiven auf dem Zechen-Gelände führt. Und es gibt auch Erläuterungen zu dem, was man dort fotografiert, allerdings sind die Erklärungen nicht so ausführlich wie bei der normalen Führung. Na, mal schauen, für welche Fotoführung ich mich dann im nächsten Jahr entscheide.

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