Europa

Burano – die bunteste Insel Italiens4 Minuten Lesezeit

Kennt Ihr das…Ihr kommt irgendwo hin und seid schlagartig verliebt? Also in den Ort. Ist mir jetzt passiert. Ich hab mich in Burano verguckt.

Burano – die Inseln in der Lagune von Venedig

Wir haben doch bestimmt alle schon Bilder von dieser verrückt-bunten Insel gesehen. Wo liegt die noch mal? Ach ja, direkt neben Venedig. Quatsch, das ist doch Murano. Die Insel mit dem Glas. Ja, Murano ist nur einen Katzensprung von Venedig entfernt. Aber Burano ist auch nicht viel weiter weg. Versprochen!

Murano schaut ja eher so aus wie die kleine Schwester von Venedig: autofrei, mit einem breiten Kanal, der quer durch die Insel fließt. Murano setzt sich auch aus mehreren Inseln zusammen, die durch Brücken miteinander verbunden sind. Jetzt sind das in Murano nur 8 Inseln, während es in Venedig doch 120 Inseln sind. Aber dafür ist es ja auch die kleine Schwester. Murano ist aber nur alt und schaut streckenweise auch so aus.

Ich geb zu, das klingt jetzt böse, aber wenn Ihr die Bilder von Burano gesehen habt, dann versteht Ihr, was ich meine.

Burano und die Farben

Burano ist das komplette Gegenteil von allem, was Ihr bis jetzt von Venedig gesehen habt. Natürlich ist auch Burano alt, alles in Italien ist uralt. Aber man sieht es dem Ort nicht sofort an. Denn: Burano ist bunt. Kunterbunt. Quietschbunt. Da steht Pink neben Orange und das soll auch so sein. Ich habe ein unbemaltes Haus gesehen und empfand das direkt als Störfaktor. Ich wollte schon Farbe kaufen.

Ich habe übrigens zwei Legenden gefunden, die die Farbvielfalt erklären könnten. Einerseits heißt es, dass die Insel deshalb so farbenfroh bemalt wurde, weil sie im Mittelalter von der Pest verschont blieb. Oder vielleicht ist sie auch deshalb so bunt, damit die Fischer ihre Insel bei Nebel oder nach übermäßigem Alkoholgenuss immer wiederfinden.

Die Insel ist wirklich mini, gehört aber doch zu den größeren Inseln in der Lagune von Venedig. Sie ist keinen Kilometer lang und auch nur 450 Meter breit. Bis nach Venedig sind es etwa 8 Kilometer und nach Murano fahrt Ihr nur 5 Kilometer (natürlich mit dem Boot). Die Nachbarinsel Torcello könnt Ihr sehen, die liegt nämlich gerade mal 100 Meter entfernt.

Torcello war übrigens im Mittelalter eine extrem bedeutende Insel. Mit Bischofsitz und mehr als 20.000 Einwohnern. Mittlerweile ist Torcello nur noch Torcello; der frühere Glanz ist verflogen. Jetzt wollen alle nur noch nach Burano.

Und das kann ich wirklich verstehen. Diese Farben…ich bin immer noch ganz verschossen. Jetzt ist es aber ja nun mal so, dass sich Venedig vor Touristen kaum retten kann. Da ist scheinbar das ganze Jahr über Saison. Wenn man aber – wie ich jetzt – im Hochsommer (und in den deutschen Ferien) nach Venedig kommt, wird es voll auf den Inseln. Auch auf Burano.

Wie kommt Ihr hin?

Was also tun? Entweder sich mit den Massen über diese kleine Insel schieben oder in den sauren Apfel beißen und das erste Vaporetto am frühen Morgen (war nicht ganz so früh, „gegen 9“ fuhr das erste Boot) nehmen. Ich habe mich für die „gegen 9“-Variante entschieden. Nichts mag ich weniger, als mich mit Massen von Besuchern durch die Straßen zu schieben. Da bekommt der Ausdruck „sich treiben lassen“ eine ganz neue Bedeutung *zwinker*.

Von Murano dauert die Fahrt mit dem Vaporetto etwa 30 Minuten (5 km auf der Straße gehen fixer) und von Venedig fahrt Ihr ca. 45 Minuten. Wenn Ihr von Venedig kommt, müsst Ihr am Fondamente Nove in die Linie 12 einsteigen, nächster Halt ist dann die Friedhofsinsel San Michele, dann kommt Murano und weiter geht’s nach Burano.

Auf dem Weg kommt Ihr an der ein oder anderen einsamen Insel vorbei. Meist steht nur ein einziges Haus drauf und auch das ist mehr oder weniger verfallen. Ich weiß nicht, ob die Inseln noch bewohnt sind, aber sie schauen nicht wirklich so aus.

Was Ihr schon von weitem seht, ist der Schiefe Turm von…Burano. Pisa ist woanders. Und der schaut mal wirklich schief aus. Ich hab jetzt keine Ahnung, warum der Turm der Kirche San Martino aus dem 17. Jahrhundert so schief ist. Anders als in Köln wird man hier wohl keine U-Bahn bauen. Daher schiebe ich es mal auf das Alter und den Untergrund.

Sehenswürdigkeiten in Burano

So richtig viele Sehenswürdigkeiten gibt es nicht. Die ganze Insel ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Schon bei der Anfahrt auf die Haltestelle könnt Ihr in den Kanal schauen und da steht ein buntes Haus neben dem anderen. Und dann erst glaubt Ihr auch den ganzen Leuten, die Euch vorher schon erzählt haben, WIE bunt Burano ist.

Da fällt mir gerade ein und bevor ich den Gedanken wieder vergesse, schreibe ich es lieber schnell auf: ich habe nur einfarbige Fassaden gesehen. Es ist also noch niemand auf die Idee gekommen, alle Häuserseiten in anderen Farben zu streichen. Man sieht ja auch nur die Frontansicht (manchmal auch noch die Seiten, aber wirklich freistehend ist doch kein Haus); wer weiß schon, wie die Rückseiten aussehen…?

Und da habe ich mich gefragt, ob es vielleicht doch eventuelle Regeln gibt? Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Und nach ein bißchen Recherche habe ich gelesen, dass es schon Regeln gibt. Auch wenn sie nicht schriftlich festgelegt sind, hält sich doch jeder dran: Die Fensterumrandungen sind immer weiß (oder wenigstens hell), Türen und Fenster werden nicht gestrichen und die Fensterläden werden dunkel gestrichen. Der Rest kann so bunt sein, wie jeder möchte.

Eine Sehenswürdigkeit fällt mir dann doch ein: Spitze. Was Murano für Glas ist, ist Burano für Spitze. Während in Murano aber noch weiter feinstes Glas produziert wird, ist die Spitzen-Produktion von Burano kein großer Exportschlager mehr. War es aber mal. Vor vielen, vielen Jahren. Daran erinnert heute noch das Museo del Merletto – das Spitzen-Museum. Dort könnt Ihr Euch anschauen, wie die Spitze hergestellt wurde.

Ich war jetzt nicht in dem Museum, aber ich habe gelesen, dass die Herstellung ein echt anstrengender Job war. Bis jetzt habe ich immer gedacht, dass Spitze gehäkelt wird, aber in Burano wurde und wird sie genäht. Von Hand. Kompliziert. Die Technik habe ich nicht verstanden. Und ich bin jetzt in Sachen Stricken und Häkeln nicht ganz unbegabt. Aber das ist mir zu hoch. Solltet Ihr Euch aber für das Museum interessierten: Ihr findet es in der Piazza Galuppi 187 und der Eintritt kostet gerade mal 5 Euro.

Kaufen könnt Ihr die Spitze in diversen Läden auf der Insel. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob die dann auch aus Burano kommt und nicht vielleicht doch eher aus Asien?

Gegen Mittag wird es dann voll auf Burano (oder in Burano? Ich kann mich da nicht entscheiden und verwende beides). Ich habe mich auf einer Bank im Schatten niedergelassen und angeschaut, wie das Vaporetto angelegt hat und Massen von Touristen auf die Insel geströmt sind. Da war’s dann Zeit für mich, Burano wieder zu verlassen.

Ach, Burano ist so schön. Ich denke, ich schau mir die bunte Insel irgendwann noch mal an. Dann aber nicht im Hochsommer. Ciao Burano!

 

 

 

 

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